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Madrid im Film: Zu Fuß zu den bekanntesten Drehorten der Stadt

Autorenbild: Carmen
Carmen
5. Sept.
4 Min. Lesezeit

Foto: Jorge Fernández Salas / Unsplash

Madrid besucht man nicht nur – man erkennt es wieder. Hunderte spanische und internationale Filme haben die Plätze, Bahnhöfe und Straßen der Stadt als Kulisse genutzt. Manchmal reicht ein kurzes „Moment, das kenne ich doch", während man über die Gran Vía oder die Plaza Mayor läuft.


Dies ist keine Liste von Festivals oder Filminstitutionen (dazu haben wir bereits einen Artikel über die institutionelle Seite des Madrider Filmschaffens geschrieben). Es ist eine echte, straßengenaue Route zu den exakten Drehorten – von Komödien der 60er-Jahre bis zu Hollywood-Thrillern und aktuellem Autorenkino.


Die Gran Vía: die Straße, die du schon im Kino gesehen hast

Ihre Fassaden aus dem frühen 20. Jahrhundert – das Edificio Metrópolis, das Edificio Capitol – machen die Gran Vía zur meistgenutzten Kulisse Madrids. Zwischen 1910 und 1929 in drei Bauabschnitten entstanden, mischt sie eklektische und Art-déco-Stile, die als Madrid, als generische europäische Stadt oder sogar als New York einer anderen Epoche durchgehen können.

🎬 Öffne die Augen (1997) — 📍 Gran Vía Alejandro Amenábar drehte eines der einprägsamsten Bilder des spanischen Kinos der 90er: eine komplett menschenleere Gran Vía, für einen frühmorgendlichen Dreh gesperrt.


🎬 Der Tag des Tieres (1995) — 📍 Gran Vía Álex de la Iglesia nutzte die Avenida als Kulisse für das eskalierende Chaos seiner satirischen Horrorkomödie über die Apokalypse an einem Madrider Heiligabend.

🎬 Gott möge uns vergeben (2016) — 📍 Puerta del Sol Rodrigo Sorogoyen nutzt Sol und die Gassen hinter der Gran Vía für seinen Polizeithriller während des Papstbesuchs 2011 – ein bewusster Kontrast zwischen Menschenmenge und fast leeren Gassen.

💡 Wissenswertes: Für die menschenleere Gran Vía brauchte das Team Sondergenehmigungen und Verkehrssperrungen zwischen 5 und 7 Uhr morgens. 1965 ging David Lean noch weiter: Er verwandelte eine ganz normale Straße in Hortaleza (Calle Silvano) in ein verschneites Moskau für „Doktor Schiwago" – mit neuen Fassaden, kyrillischen Schildern und künstlichem Schnee, einer der ungewöhnlichsten Drehs der Stadt.

Vom Bourne Ultimatum bis Cibeles: Madrid als internationale Action-Kulisse

2007 verwandelte „Das Bourne Ultimatum" einen halben Stadtteil in eine internationale Spionage-Kulisse: Matt Damon jagt – und wird gejagt – durch Orte, die jeder Madrilene sofort wiedererkennt.

  • Bahnhof Atocha: Außenaufnahmen und Zugänge, nahe dem tropischen Garten.

  • Plaza de Canalejas: das Café del Príncipe als zentraler Treffpunkt der Handlung.

  • Plaza de Cibeles: Verfolgungsszenen mitten im Stadtzentrum, mit gesperrten Straßenabschnitten über mehrere Drehtage.

  • Stierkampfarena Las Ventas: Außenaufnahmen der Arena, eines der meistfotografierten neomudéjar-Gebäude Madrids — hier unser Artikel über Las Ventas.

Das Interessante an solchen internationalen Drehs: Sie werden selten im Voraus angekündigt. Viele Madrilenen liefen an jenem Morgen an Matt Damon vorbei, ohne zu wissen, was gerade in ihrem eigenen Viertel gedreht wurde.


Die Plaza Mayor und La Latina: das Nachkriegs-Madrid des klassischen Kinos

  • 🎬 Die große Familie (1962) — 📍 Plaza Mayor: lange bevor Hollywood Madrid entdeckte, nutzte diese Ensemble-Komödie über eine kinderreiche Familie die Arkaden des Platzes als Kulisse.

  • 🎬 Die Fahrräder sind für den Sommer (1984) — 📍 Retiro-Park, Las Vistillas, Almudena-Kathedrale, San Francisco el Grande, Rastro-Flohmarkt und La Latina: die Verfilmung über den Spanischen Bürgerkrieg führt durch fast jede traditionsreiche Ecke der Altstadt.

  • 🎬 La Virgen de Agosto (2019) — 📍 Plaza de las Vistillas: Jonás Truebas Film, angesiedelt während des Paloma-Fests, macht den Platz selbst zur Hauptfigur.

📌 Tipp vor Ort: Die Plaza de las Vistillas bietet einen der schönsten Sonnenuntergänge Madrids mit Blick auf die Casa de Campo.

Wer die Cava Baja schon kennt, findet hier eine Route durch die ruhigeren Ecken von La Latina, und für die mittelalterliche Seite der Altstadt ist dieser Spaziergang durch das habsburgische Madrid eine gute Ergänzung.


Malasaña und Lavapiés: das Madrider Autorenkino

  • 🎬 Der Mann mit den tausend Gesichtern (2016) — 📍 Calle San Vicente Ferrer & Espíritu Santo, Palacio de Parcent: die wahre Geschichte des Spions Francisco Paesa, gedreht an der Mauer mitten in Malasaña.

  • 🎬 Historias del Kronen (1995) — 📍 Fußgängerbrücke Juan Bravo und Passagen von Azca: Montxo Armendáriz' schonungsloses Porträt der Madrider Jugend der 90er, im Hochhausviertel zwischen Nuevos Ministerios und Cuzco.

  • 🎬 Leid und Herrlichkeit (2019) — 📍 Cine Doré: die modernistische Fassade der Filmoteca Española, seit 1989 das älteste noch betriebene Kino Madrids, ist kurz in Almodóvars Film zu sehen.

Kein Zufall, dass Regisseure diese Viertel lieben: enge Gassen und eine gewachsene Nachbarschaft wirken authentisch. Lavapiés und La Latina konzentrieren zudem einen Großteil der Street-Art-Szene Madrids — hier geht's zu unserer Street-Art-Route.


So planst du deine eigene Filmroute durch Madrid

  • Kamera-Akku laden: Gran Vía, Cibeles und Las Vistillas wirken im frühen Morgen- oder Abendlicht am eindrucksvollsten.

  • Mit einem Tapas-Stopp kombinieren: Sol-Centro und La Latina bieten traditionsreiche Tabernas nur wenige Schritte entfernt.

  • Nicht jeder Ort ist markiert: Madrid stellt selten Gedenktafeln auf – die Liste selbst mitbringen.


Zone

Film

Genauer Drehort

Worauf achten

Gran Vía

Abre los ojos / El día de la Bestia

Gran Vía, Edificio Metrópolis

Fassaden aus dem frühen 20. Jh.

Sol

Que Dios nos perdone

Puerta del Sol und Seitengassen

Kontrast Menschenmenge/Stille

Zentrum

Das Bourne Ultimatum

Atocha, Plaza de Canalejas, Cibeles

Filmreife Verfolgungsroute

Zentrum

La Gran Familia

Plaza Mayor

Arkaden aus dem 17. Jh.

La Latina

Las Bicicletas Son Para el Verano

Vistillas, Almudena, San Francisco el Grande

Sonnenuntergang über der Casa de Campo

Malasaña

El Hombre de las Mil Caras

C/ San Vicente Ferrer & Espíritu Santo

Verborgene Mauern und Palais

Azca

Historias del Kronen

Fußgängerbrücke Juan Bravo

Hochhausarchitektur der 90er

Lavapiés

Dolor y Gloria

Cine Doré (Filmoteca Española)

Das älteste noch aktive Kino der Stadt


Kann man das Cine Doré besichtigen? Ja – die Filmoteca Española zeigt Klassiker und Kultfilme zu sehr günstigen Preisen.

Muss ich etwas reservieren? Nein, es sind öffentliche Räume; nur für Vorführungen im Cine Doré braucht man ein Ticket.


Wie lange dauert die Route? 3-4 Stunden für Gran Vía-Sol-Atocha-Cibeles-Plaza Mayor-La Latina; Malasaña-Azca-Lavapiés eignet sich besser als zweite Route.

Was, wenn während meines Besuchs gerade gedreht wird? Größere Produktionen tauchen oft in der lokalen Presse oder bei Madrid Film Office auf, dem städtischen Amt für Drehgenehmigungen.

🎬 Möchtest du dir diese Geschichten lieber erzählen lassen, während du wirklich durch diese Straßen läufst? Unsere Stadtführung durch das habsburgische Madrid führt durch viele dieser Originalschauplätze – inklusive der Anekdoten, die es nie in den Abspann schaffen.

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