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Fotografieren in Madrid: die besten Lichtspots und instagram-tauglichen Ecken ohne Menschenmassen

Autorenbild: Carmen
Carmen
vor 11 Stunden
8 Min. Lesezeit

Fotografieren in Madrid: die besten Lichtspots und instagram-tauglichen Ecken ohne Menschenmassen

Foto / Photo: Andres Garcia — Unsplash

Madrid gilt als Stadt der Tapas und langen Nächte, aber für alle, die mit Kamera – oder einfach nur mit dem Handy – unterwegs sind, ist es auch eine Stadt des Lichts. Das goldene Licht, das sich am späten Nachmittag zwischen den Gebäuden der Altstadt hindurchschiebt, kostenlose Aussichtspunkte mit 360-Grad-Blick und Ecken, die kaum jemand bisher fotografiert hat.


Das Problem: Madrids bekannteste Postkartenmotive – der Sonnenuntergang am Tempel von Debod, die Gran Vía am Mittag – sind auch die überlaufensten. Mit ein wenig Planung, vor allem mit der richtigen Uhrzeit, bekommt man fast dasselbe Licht ohne die Ellbogen von dreißig anderen Touristen im Bild.

Dieser Guide versammelt die Lieblingsecken derjenigen, die diese Stadt seit Jahren fotografieren: wohin, zu welcher Uhrzeit, was der Eintritt kostet, wenn es einen gibt, und den einen oder anderen Local-Trick, um der Menge zu entgehen. Professionelle Ausrüstung braucht es dafür nicht – fast alle diese Motive funktionieren genauso gut mit der Handykamera, solange man zur richtigen Zeit dort ist. In Madrid zählt die Tageszeit am Ende mehr als die Ausrüstung in der Tasche.


Morgenlicht: die Cuesta de Moyano und der Real Jardín Botánico

Wenn eines Madrids Licht ausmacht, dann seine Klarheit – und nirgends zeigt sich das besser als auf der Cuesta de Moyano, der historischen Reihe von Antiquariats-Buchständen, die vom Real Jardín Botánico hinunter Richtung Atocha führt. Früh am Morgen, bevor die meisten Stände öffnen, fällt die Sonne flach zwischen die Holzregale und erzeugt eine Szene wie aus einem anderen Jahrzehnt.

Direkt am oberen Ende der Straße liegt der Real Jardín Botánico, der außer an Weihnachten und Neujahr das ganze Jahr über täglich geöffnet ist, mit einem regulären Eintritt von 4 Euro (dienstags von 10:00 bis 15:30 Uhr kostenlos, ermäßigter Tarif von 1 Euro für Studierende und Personen über 65). Seine baumgesäumten Wege und historischen Gewächshäuser eignen sich hervorragend für Porträts mit durch Blätter gefiltertem Licht, und weil er umzäunt und kostenpflichtig ist, wird er nie so voll wie der Retiro-Park.

💡 Lokaler Tipp: Gehen Sie direkt zur Öffnungszeit um 10:00 Uhr in den Botanischen Garten. In der ersten halben Stunde sind kaum Besucher da, und das Licht ist noch niedrig und streifend – perfekt, um die Kieswege ohne Menschen im Bild zu fotografieren.

Beide Orte liegen nur fünf Gehminuten voneinander entfernt, sodass man sie ganz entspannt an einem einzigen Morgen kombinieren kann – mit genug Zeit übrig, um in antiquarischen Büchern zu stöbern, die seit fast einem Jahrhundert genau an dieser Stelle verkauft werden.


Ohne Warteschlangen bei Sonnenaufgang: der Kristallpalast und der Cerro del Tío Pío

Der Kristallpalast (Palacio de Cristal) im Retiro-Park ist nach dem Königspalast wahrscheinlich das meistfotografierte Bauwerk Madrids – aus gutem Grund: Sein Eisen-Glas-Gerüst von 1887 spiegelt sich perfekt im Teich davor. Das Problem ist nur, dass sich die Spiegelung ab dem späten Vormittag mit Menschen füllt, die sich über das Wasser beugen. Die Lösung ist einfach: direkt bei Parköffnung kommen, wenn das Licht noch niedrig steht und der Teich noch ruhig ist, bevor die erste geführte Gruppe des Tages überhaupt aufgetaucht ist.

Für Panoramablicke ohne Eintritt und ohne Warteschlange ist Madrids bestgehütetes Geheimnis der Cerro del Tío Pío im Stadtteil Vallecas, liebevoll "die sieben Hügel" genannt, wegen der Form seiner Erhebungen. Von dort oben überblickt man die gesamte Skyline der Stadt – vom Torre Picasso bis zu den Cuatro Torres –, und weil es sich um einen Stadtteilpark und kein Monument handelt, taucht er kaum in den klassischen Reiseführern auf.

📌 Wissenswertes: Der Cerro del Tío Pío war in den 1970er-Jahren tatsächlich eine Schuttdeponie, die später in einen Park umgewandelt wurde. Seine künstlichen Hügel sind heute der beliebteste kostenlose Aussichtspunkt lokaler Instagram-Fotografen für den Sonnenuntergang.

Wer den Sonnenuntergang fotografieren möchte, ohne ihn mit hundert anderen Menschen zu teilen, findet diesen Hügel meist deutlich leerer vor als die Aussichtspunkte im Zentrum, besonders unter der Woche. Am einfachsten kommt man mit der Metrolinie 1 bis zur Station Buenos Aires und geht von dort etwa zehn Minuten durch Wohnstraßen bergauf bis zur Spitze des Parks.


Straßen mit Charakter: die bunten Balkone von Malasaña

Nicht alles auf dieser Liste sind Parks oder weite Ausblicke: Einige der meistgeteilten Fotos Madrids entstehen auf Straßenniveau, ganz ohne irgendwo hinaufzusteigen. Das Viertel Malasaña, insbesondere Straßen wie die Calle del Pez oder die Umgebung der Plaza del Dos de Mayo, hat noch Fassaden aus dem 19. Jahrhundert mit schmiedeeisernen Balkonen in Grün-, Blau- und Ockertönen, die sich von den Wandmalereien und Vintage-Läden des Viertels abheben.

Der Trick, diese Straßen ohne eine Reihe voller Cafétische im Bild zu fotografieren, besteht darin, unter der Woche am späten Vormittag zu gehen, solange das Viertel noch erwacht und die Rollläden der Geschäfte noch unten sind – so kommen die farbigen Fassaden deutlicher zur Geltung. Ein leicht schräger Blickwinkel von der gegenüberliegenden Straßenseite hilft außerdem, parkende Autos und Mülltonnen aus dem Bild zu halten.

📌 Wissenswertes: Viele dieser schmiedeeisernen Balkone stammen aus dem Bauboom des späten 19. Jahrhunderts, als Malasaña – damals noch als Viertel Maravillas bekannt – mit mehrstöckigen Arbeiterwohnungen gefüllt wurde, die genau diese verglasten Galerien als Erkennungsmerkmal trugen.

Aussichtspunkte mit 360°-Blick: der Faro de Moncloa, die Dachterrasse des Círculo de Bellas Artes und weitere kostenpflichtige Höhen

Für echte Höhe hat Madrid zwei kostenpflichtige Aussichtspunkte, die ihren Eintrittspreis mehr als wert sind. Der Faro de Moncloa ist ein 92 Meter hoher Aussichtsturm, von dem aus man an klaren Tagen den Königspalast, die Almudena-Kathedrale, das Telefónica-Gebäude an der Gran Vía, das Geschäftsviertel Cuatro Torres und sogar die Sierra de Guadarrama in über hundert Kilometern Entfernung erkennen kann. Geöffnet ist er von Dienstag bis Sonntag, 9:30 bis 20:00 Uhr (letzter Einlass um 19:30 Uhr), der reguläre Eintritt kostet 4 Euro, und da die Tickets für ein festes Zeitfenster verkauft werden, gibt es oben nie Gedränge.

Die andere, urbanere Option ist die Dachterrasse des Círculo de Bellas Artes, mitten im Zentrum, mit direktem Blick auf die Gran Vía und die Kuppel des Palacio de Cibeles. Geöffnet ist sie von Sonntag bis Donnerstag von 10:00 bis 01:30 Uhr und freitags sowie samstags bis 02:00 Uhr, der Eintritt kostet 6 Euro. Wer unter der Woche am späten Nachmittag geht, genau wenn sich das Licht ändert, findet die Terrasse meist deutlich ruhiger vor als am Wochenende zur Mittagszeit.

Wer etwas mehr Budget einplant, findet in der 360º Rooftop Bar im Hotel Riu Plaza España im 27. Stock den wohl höchstgelegenen Ausblick der Stadt: einen echten 360-Grad-Blick auf die Plaza de España, den Königspalast und den Parque del Oeste aus fast 100 Metern Höhe. Geöffnet ist sie täglich von 11:00 bis 01:00 Uhr, der Eintritt kostet unter der Woche vormittags ab 5 Euro und nachmittags sowie am Wochenende bis zu 10 Euro (kostenlos für Hotelgäste). Wer direkt zur Öffnungszeit um 11:00 Uhr hochfährt, erlebt die Terrasse fast menschenleer, bevor am späten Nachmittag mehr Betrieb einkehrt.


Aussichtspunkt

Beste Zeit

Preis

Wie man Menschenmassen umgeht

Faro de Moncloa

Sonnenuntergang, klarer Tag

4 €

Das letzte Zeitfenster des Tages buchen

Dachterrasse Círculo de Bellas Artes

Später Nachmittag unter der Woche

6 €

Wochenenden und Mittagszeit meiden

Real Jardín Botánico

Direkt zur Öffnung, 10:00 Uhr

4 € (dienstags 10:00–15:30 Uhr kostenlos)

In den ersten 30 Minuten hineingehen

Tempel von Debod

Sonnenaufgang statt Sonnenuntergang

Kostenlos

Früh statt zum Sonnenuntergang kommen

360º Rooftop Bar (Riu Plaza España)

Direkt zur Öffnung, 11:00 Uhr

Ab 5 €

Unter der Woche früh hochfahren, vor dem Nachmittagsbetrieb


Der Sonnenaufgangs-Trick: der Tempel von Debod und die Jardines de Sabatini

Der Tempel von Debod ist zweifellos Madrids meistfotografierter Ort zum Sonnenuntergang – und genau deshalb auch der überlaufenste: An jedem klaren Abend des Jahres drängen sich Dutzende Menschen am Geländer. Der Trick, den kaum jemand nutzt, ist der Sonnenaufgang, wenn die Stadt noch schläft: Der originale ägyptische Tempel – ein Geschenk Ägyptens an Spanien aus dem Jahr 1968 – zeigt denselben goldenen Stein in einem viel weicheren Licht, und der umgebende Teich ist völlig menschenleer. Geöffnet ist er von Dienstag bis Sonntag, im Winterfahrplan von 10:00 bis 20:00 Uhr, der Eintritt ist kostenlos, allerdings empfiehlt es sich, vorab ein Zeitfenster auf der Website des Rathauses zu reservieren, da die Kapazität auf 30 Personen pro halbe Stunde begrenzt ist.

Ganz in der Nähe, hinter dem Königspalast, liegen die Jardines de Sabatini mit ihren geometrischen Hecken und dem symmetrischen Blick auf die Nordfassade des Palastes. Da es sich um einen öffentlichen Garten ohne jede Zugangskontrolle handelt, sind vor zehn Uhr morgens kaum Touristen unterwegs, und das frühe Licht zeichnet die Silhouette des Palastes gegen den Himmel auf eine Weise, die man auf den typischen Fotos der Plaza de Oriente selten sieht.

💡 Lokaler Tipp: Wer den Königspalast fotografieren möchte, denkt fast nie daran, bei Sonnenaufgang zu den Jardines de Sabatini hinaufzugehen. Der Blick ist anders – höher gelegen und perfekt symmetrisch – und man teilt ihn nur mit einer Handvoll Anwohnern beim Morgenlauf.

Praktische Tipps, um Madrid wie ein Local zu fotografieren

Neben den konkreten Orten gibt es ein paar ungeschriebene Regeln, die den Unterschied zwischen einem Touristenschnappschuss und einem Foto ausmachen, das aussieht, als käme es von jemandem, der hier lebt:

  • Jagen Sie nicht nur die goldene, sondern auch die blaue Stunde. Die zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch Farbe hat, aber die Straßenlaternen schon an sind, ergeben oft bessere Fotos beleuchteter Fassaden als der Sonnenuntergang selbst.

  • Kein Blitz an Denkmälern und Kirchen. Er ist in den meisten ohnehin verboten und verrät sofort, dass man den Ort nicht kennt.

  • Ein kleines Tischstativ fällt weniger auf – und wird von Sicherheitspersonal meist eher toleriert – als ein großes Stativ, das man mitten auf dem Gehweg aufbauen muss.

  • Prüfen Sie die Wolkenvorhersage, nicht nur die Regenvorhersage. Sonnenuntergänge mit vereinzelten hohen Wolken sorgen über Madrid meist für deutlich mehr Farbe als ein komplett klarer Himmel.

  • Haben Sie Geduld mit anderen Menschen. Fast jeder Ort auf dieser Liste leert sich vollständig, wenn man einfach zehn Minuten wartet, bis die aktuelle Gruppe weiterzieht.

  • Öffnungszeiten vorher prüfen. Mehrere dieser Orte haben montags geschlossen oder saisonal wechselnde Zeiten – ein kurzer Check am Vorabend erspart einen frühen Wecker für nichts.

  • Bargeld oder eine kontaktlose Karte einstecken für die kostenpflichtigen Aussichtspunkte: Am Faro de Moncloa und auf der Dachterrasse des Círculo de Bellas Artes ist nicht zu jeder Zeit ein Ticketschalter besetzt.

  • Respektieren Sie die Anwohner. Cerro del Tío Pío, Malasaña und die Jardines de Sabatini sind in erster Linie Parks und Straßen, in denen Menschen leben: kein Stativ mitten auf einem belebten Gehweg, und Rücksicht auf Nachbarn, wenn welche in der Nähe sind.

Und bei jedem Gespräch an der Bar zeigt sich: Einheimische lieben es, nach ihrer Lieblingsecke der Stadt gefragt zu werden – keine Empfehlung ist besser als die von jemandem, der wirklich hier wohnt. Wer einen Barkeeper in Malasaña oder La Latina danach fragt, bekommt meist gleich noch zwei oder drei weitere Tipps, die es in keinen einzigen Reiseführer geschafft haben.

Für alle, die über das eigenständige Erkunden der Aussichtspunkte hinausgehen und die Geschichte hinter jedem Platz, jeder Fassade und jeder Ecke der Altstadt aus erster Hand erfahren möchten, führt unsere Cul.Tour Madrid: Famous Landmarks Walking Tour zu Fuß mit einem lokalen Guide durch mehrere der fotogensten Ecken des Zentrums – darunter auch einige der Plätze aus dieser Liste.


Wenn dieser Streifzug durch Madrids Licht und Aussichtspunkte noch nicht genug war: Im Blog gibt es außerdem Guides zu den geheimen Innenhöfen und versteckten Gärten Madrids, dem romantischen Garten El Capricho, einer kompletten Route zu den historischen Palästen und Gärten der Stadt, Madrids Architekturwoche und, um zwischen all diesen Orten das richtige Licht nicht zu verpassen, unserem Guide dazu, wie man sich in Madrid wie ein Local fortbewegt.

Für Öffnungszeiten und Preise geprüfte offizielle Quellen: esmadrid.com – Faro de Moncloa, esmadrid.com – Real Jardín Botánico und esmadrid.com – 360º Rooftop Bar.

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